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Der Ballon und das Wetter
Kaum ein Luftfahrzeug ist mehr von Wind und Wetter abhängig
als der Freiballon, der kein eigenes Antriebsmittel und keine
Richtungssteuerung besitzt. Daher gehört zur Ausbildung eines
Ballonführers zu wesentlichen Teilen die Meteorologie. Doch
grau ist alle Theorie und ohne Erfahrung geht es auch hier
nicht. Diese ist besonders beim Wetter durch Beobachtung zu
gewinnen. Sollten Sie einen aktiven Ballonfahrer kennen
lernen, wird Ihnen bald auffallen, dass ihm das Prüfen des
Wetters in Fleisch und Blut übergegangen ist. Immer wieder
wird er zum Himmel blicken und die Wolken betrachten oder die
Fahne am Straßenrand zur Beurteilung der Windstärke und –richtung
heranziehen. Und dies nicht nur, wenn er in absehbarer Zeit
Ballonfahren will. Doch was für ein Wetter muss herrschen,
dass man Ballonfahren kann? Zum einen richtet sich dies nach
den gesetzlichen Bestimmungen, den Sichtflugregeln für die
allgemeine Luftfahrt, zum anderen nach den fahrtechnischen
Problemen, die die entsprechende Wettersituation mit sich
bringt. Nicht ohne Grund kommt der Ballonfahrer neben dem
Hubschrauber bei den Sichtflugregeln mit am besten weg. Im
unkontrollierten Luftraum zum Beispiel, darf die Sicht in
Fahrtrichtung 800 Meter nicht unterschreiben und Wolken dürfen
nicht berührt werden. Auch ist dem Ballonfahrer das Fahren
über Wolken und bei Nacht erlaubt. Der Grund liegt darin, dass
dem Ballonfahrer durch die relativ geringe Geschwindigkeit das
Erkennen von Hindernissen erleichtert ist und der Ballon
selbst ein gut sichtbares Objekt darstellt. Die
fahrtechnischen Probleme schränken den Ballonfahrer daher weit
mehr ein.
Der Ballon kann als das am wenigsten lenkbare Luftfahrzeug
bezeichnet werden. Mit geringem Aufwand kann er eine andere
Höhe aufsuchen; die Richtung läßt sich jedoch nur ändern, wenn
in anderen Höhen andere Windrichtungen herrschen – die
Richtungsänderung hat dann aber auch eine Höhenänderung zur
Folge. Daher wird ein verantwortungsvoller Pilot nicht
starten, wenn die Wetterlage das rechtzeitige Erkennen von
Hindernissen nicht erlaubt; selbst bei klarstem Wetter ist es
unangenehm, ein Flugzeug oder einen Hubschrauber auf sich
zukommen zu sehen, denn ein spontanes Ausweichen liegt bei dem
anderen. Ebenso startet ein Ballonfahrer ungern bei großen
Windgeschwindigkeiten, auch wenn strahlender Sonnenschein ist.
Zunächst ist schon das Aufrüsten des Ballons dadurch
erschwert, wenn nicht gar unmöglich – besonders der
Heißluftballon ist hier anfällig – des weiteren wird die
Landung schwieriger.
Ein Gasballon kann bei einer Windgeschwindigkeit von bis zu 25
km/h aufgerüstet werden, bei einem Heißluftballon ist es oft
schon bei 15 km/h vorbei. Weniger kritisch ist der Wind bei
der Landung. Da der Ballon in der Richtung nicht lenkbar ist,
kann er auch kein vorbereitetes Gelände zur Landung aufsuchen
(Flugplatz), sondern muss mit dem vorlieb nehmen, was sich
unter ihm anbietet. Auch ein hundert Meter weites Ausrollen
ist nicht möglich, aber auch nicht notwendig, weil sich die
Ballone sehr schnell entleeren lassen. Eine Landung bei einer
Geschwindigkeit von bis zu ca. 30 km/h ist meist
unproblematisch.
Darüber
hinaus erfordert das Auswählen eines geeigneten Landegeländes
schon große Aufmerksamkeit und die Landung muss sehr
sorgfältig und mit Geschick durchgeführt werden. Ein
übersehener Wassergraben, ein Grenzstein oder ein im Gras
verborgener Stacheldrahtzaun führen dann oft zu zwar gern
erzählten, aber ungern wiederholten Erlebnissen. Bei
Geschwindigkeiten über 60 km/h ist eine 100% sichere Landung
häufig nicht möglich. Die vorgenannten Hindernisse dürfen dann
nicht im Weg sein. Das hier über die Windgeschwindigkeiten
gesagte gilt allerdings nur für Bodenwind. Eine große
Windstärke in 1.000 oder 2.000 Meter Höhe macht eine
Ballonfahrt oft abwechslungsreicher.
Eine weitere Gegebenheit behindert den Tatendrang des
Ballonfahrers. Durch intensive und längere Sonneneinstrahlung
entstehen in der Luft starke vertikale und horizontale
Bewegungen (Turbulenzen). Der Ballon macht diese Bewegungen in
hohem Maße mit, was vor allem in Bodennähe Überreaktionen des
Piloten erfordert. Auch ist dieser hierdurch meist so
beschäftigt, dass ein Genießen der Fahrt nicht mehr möglich
ist. Daher startet der Ballonfahrer – besonders im Sommer –
gern am frühen Morgen oder späten Nachmittag. Zu diesen Zeiten
herrschen meist stabile Luftschichtungen vor. Ebenso sind aus
diesem Grunde Fahrten im Winter beliebt. Die
Wettererscheinungen, die der Ballonfahrer am meisten fürchtet,
sind Gewitter und Gewitterfronten.
Es ist weniger der Blitz, der ihn zu baldigen Landung und zum
Nicht-Starten veranlasst, sondern vielmehr sind es die damit
verbundenen starken Turbulenzen. In einem Gewitter entstehen
Aufwinde mit Geschwindigkeiten von bis zu 30 m/sec, die oft
bis in 8.000 Meter Höhe und darüber reichen; Schnelle
Fahrstühle erreichen 10 m/sec und die normale Steig- und
Sinkgeschwindigkeit eines Ballon beträgt 1 bis 3 m/sec.
Gewitterfronten sind zudem oft von Sturmböen mit 100 km/h und
mehr begleitet.
Aus dieser
zusammen gefassten Darstellung ist wahrscheinlich schon zu
ersehen, auf wie viel der Ballonpilot in bezug auf das Wetter
zu achten hat. Berücksichtigt man nun, dass aus
organisatorischen Gründen die Entscheidung zum Start meist am
Tage vorher erfolgen muss, versteht man sicher, dass es keinen
Ballonfahrer gibt, der sich noch nicht geärgert hat, am Vortag
abgesagt zu haben oder am Startplatz erkennen muss, dass es
doch nicht geht. Nach solchen Erlebnissen wird er in der
darauffolgenden Woche noch häufiger als sonst zum Himmel
schauen. |